• Koh Phangan – das erste Mal Ecstatic Dance

    Über Koh Phangan könnte ich wohl zehn einzelne Posts schreiben. Teilweise ist an einem Tag so viel passiert, dass ich am Abend nicht mehr wusste, wie der Tag überhaupt gestartet ist. Wenn ich mir dann überlege, was wir eigentlich wirklich gemacht haben, scheint es doch gar nicht so viel zu sein. Deshalb schreibe ich hier vorerst eine kurze Einführung und dann meine Erfahrung mit meinen ersten Ecstatic Dances.

    Ich bin mit meinem Freund, seiner Schwester und fünf weiteren Freunden für drei Wochen in einer Villa in Koh Phangan. Wir wohnen die ganze Zeit am gleichen Ort und lassen die Zeit auf uns zukommen. Ein paar von uns freuen sich auf den Urlaub, andere möchten am liebsten jeden Tag ein Sound Healing, Muay-Thai-Training, eine Reiki-Massage oder ein Kirtan mit Kakao-Zeremonie besuchen. Die Hälfte davon musste ich zuerst (auch) googeln… Ich freue mich vor allem aufs Yoga und bin grundsätzlich offen gegenüber weiteren Erlebnissen. Einzig fix eingeplant sind die Ecstatic Dances. Davon gibt es jede Woche drei, und wir werden alle besuchen.

    Kurz für diejenigen, die noch nie an einem Ecstatic Dance waren ein paar Informationen. Meistens dauert ein Ecstatic Dance um die drei Stunden. Am Anfang findet eine Eröffnungszeremonie oder eine Gruppenaktivierung statt, und dann wird getanzt. An einem Ecstatic Dance wird nicht geredet, keine Substanzen konsumiert (auch kein Nikotin und natürlich auch kein Alkohol) und es dürfen keine Fotos gemacht werden (deshalb gibt es hier auch einfach random Koh-Phangan-Fotos). Man soll sich auf die Reise einlassen und Schamgefühle zu Hause lassen – einfach genau so sein, wie man ist, und das tun, was sich richtig anfühlt. Es dauert deshalb meistens nicht lange, bis die ersten Tier-Imitationen, Jubel oder Schreie zu hören sind, und es wird auch ganz schnell klar, dass hier niemand tanzt, um zu gefallen.

    Das ist auch meine grösste Herausforderung. An meinem ersten Ecstatic Dance merke ich schnell, wie urteilend ich bin. Wie schnell ich denke, dass jemand komisch tanzt. Oder mich frage, weshalb die eigentlich alle so übertreiben müssen. Fast gleich schnell merke ich auch, dass das Problem ausschliesslich bei mir liegt. Ich verurteile nur, weil ich sie eigentlich um ihre Freiheit beneide. Während ich mir noch viel zu viele Gedanken mache, wie was aussehen könnte, sind sie im Moment, authentisch und frei.

    Während des ersten Ecstatic Dances komme ich nicht ganz aus dieser Rolle raus. Nehme mir aber fest vor, beim nächsten Mal mit einer anderen Einstellung hinzugehen.

    Drei Tage später ist es dann so weit. Wir treffen uns am Sonntagmorgen um 09.30 Uhr im Pyramid Yoga, und es fühlt sich fast ein bisschen an, als würden wir in die Kirche gehen. Bevor die Musik anfängt, werden wir dazu aufgefordert, uns intuitiv zu dehnen und zu bewegen. Danach laufen wir langsam durcheinander und gehen fast in die Verbindung mit den anderen. Wir berühren uns fast, schauen uns fast in die Augen und bleiben fast stehen. Danach bleiben wir dann ganz stehen, finden ein Augenpaar in der Nähe und gehen in die Verbindung. Wir folgen mit unseren Bewegungen der Hand unseres Gegenübers und bleiben dabei immer in Augenkontakt.

    Die letzte Übung war für mich so dermassen unangenehm, dass danach alles einfach war. Die Hosts haben es geschafft, meine eigene Schamgrenze innerhalb der ersten paar Minuten zu durchbrechen und den Raum zu meiner eigenen Ausdrucksweise zu öffnen. Es folgten drei Stunden pure Lebensfreude mit einem Überschuss an Emotionen. Der DJ und die Energie im Raum haben uns durch diese Stunden getragen. Als dann gegen Ende noch 20 Minuten Psytrance lief, wusste ich, woher der Name Ecstatic Dance kommt.

    Zum Schluss durften wir uns hinlegen und die Stimme und Gitarre von Anaïs geniessen. Es war verschwitzt, aber magisch.

    Seit diesem Ecstatic Dance bin ich Fan. Meine nächste Herausforderung wird sein, meinem Freund während des Tanzens in die Augen zu schauen. Das fühlt sich für mich aktuell noch zu „nackt“ und nah an. Aber wir arbeiten daran 😉

  • Bali – 9 Tage, 2 Misstritte und 1 Rückflug

    Ich vertraue stark darauf, dass das Universum einen Plan für uns hat. Und dass wir, wenn wir „bei uns sind“, ganz deutlich spüren, ob wir gerade am richtigen Ort – auf der richtigen Timeline – unterwegs sind.

    In den Tagen auf Bali hatte ich dieses Gefühl kaum. Obwohl das Hostel wunderschön war, die anderen Gäste toll und meine Tage wirklich traumhaft, fühlte es sich einfach nicht richtig an. Eher so, als würde ich einen Plan ausführen, der für eine andere Version von mir selbst gedacht war. Und irgendwie wollte mir das wohl auch mein Körper mitteilen.

    Bei den ersten Schritten ausserhalb des Flugplatzes, auf dem Weg zum Auto von Alex, dem Fahrer vom Hostel, machte ich wegen einer kleinen Unebenheit im Boden einen Misstritt. Ironischerweise genau eine Sekunde nachdem ich zu Alex gesagt hatte: „I am sooo happy to be here.“ Ich fiel mitsamt meinem grossen Rucksack hin und fragte mich schon da, was das eigentlich sollte.

    Die kommenden Tage nahm ich es deshalb ruhig. Viel Zeit am Pool, im hostel-eigenen Restaurant, viel lesen und nur sehr sanftes Yoga. Nach knapp einer Woche wurde es besser, und ich machte einen Ausflug nach Canggu – zu einem Sunday Festival mit Breathwork, Sound Healing, Ecstatic Dance und gemeinsamem Singen im Kreis. An diesem Tag fühlte ich mich richtig gut. Und ich war ein wenig stolz, dass ich das ganz alleine gemacht hatte. Eine frühere Version von mir hätte sich das nie getraut.

    Einen Tag später, genau eine Woche nach dem ersten Misstritt, geschah es erneut. Diesmal war ich am Telefon mit einer Freundin, wollte im Hostel ein wenig spazieren und fiel wieder genau gleich hin. Nach diesem zweiten Misstritt wusste ich, dass ich meine Pläne ändern muss. Es wurde unmöglich, das Yoga Teacher Training durchzuführen, und ich musste mich entscheiden.

    Die beiden Misstritte haben mir geholfen, das zu erkennen, was ich eigentlich schon wusste, mir aber nicht eingestehen wollte: dass ich nach Hause will. Es fühlte sich richtig an, den Rückflug zu buchen. Und dass das aus einer gesellschaftlichen Perspektive vielleicht als „Versagen“ aufgefasst werden könnte, war mir egal. Ich freute mich auf meine Familie, meinen Freund und darauf, die Festtage zu Hause zu verbringen.

    Aus sechs Monaten wurden also vorerst zwei Wochen – und das ist genau richtig so.

  • Singapur – Formel 1 und Tempelbesuche

    Ich schreibe das hier drei Wochen später – weil ich Zeit brauchte, um die Erlebnisse zu verarbeiten und weil sich die Pläne seitdem komplett auf den Kopf gestellt haben.

    Gerade scrollte ich durch die Bilder aus Singapur und hatte das Gefühl: Das war nicht ich. Als wäre jemand anders an meiner Stelle dort gewesen. Mit diesem Abstand merke ich, wie fantastisch dieses Wochenende eigentlich war. Und wie ich dies im Moment absolut nicht so wahrgenommen, geschweige denn gefühlt, habe.

    Was kaum jemand weiss: Ich habe mit dem Flug nach Singapur aufgehört, Snus zu konsumieren, nach knapp fünf Jahren. Und mein Nervensystem ist kurz eskaliert.

    Die ersten zwei Stunden im Singapur habe ich deshalb am Flughafen verbracht, schluchzend am Boden. Ich habe es nicht geschafft, eine eSim zu installieren und habe die Metro-Station nur mit Hilfe gefunden. Rational war mir bewusst, dass diese Reaktion gerade vollkommen übertrieben ist. Etwas dagegen zu tun, klappte aber trotzdem während dem ganzen ersten Tag nicht.

    Danach hat das Weinen aufgehört und stattdessen kamen Mini-Panikattacken. Wegen echten Dingen, wie meinem Bali-Visum das ich ziemlich knapp erhalten habe. Aber auch wegen völlig absurden Dingen: dass Leitungswasser tabu ist, oder dass WC-Papier in einen Kübel gehört. I mean…

    Das Spannendste daran war die Diskrepanz zwischen meinem Verstand und meinem System. Kognitiv war mir zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass diese Empfindungen nicht „echt“ sind bzw. dass sie durch den Entzug verstärkt wurden oder überhaupt erst entstanden sind, und dass sie auch wieder vorbei gehen. Körperlich waren alle diese Emotionen aber trotzdem so real und haben mich teilweise vollständig eingenommen. Das Gefühl, mich selbst wieder zu spüren kam erst nach zwei Wochen langsam zurück. Und ist noch heute, nach 22 Tagen, noch nicht ganz wieder da.

    Nun aber zurück zu Singapur.

    Jetzt sehe ich, wie spannend und reich die Tage in Singapur waren. Es war das Formel 1-Wochenende, ein Erlebnis, das seit ein paar Jahren auf meiner Bucket List steht. Am Samstag durfte ich mit und dank meiner guten Freundin im Paddock und in der Boxen-Gasse herumspazieren und wirkliche Behind the Scenes-Formel 1-Luft schnuppern. Und am Sonntag habe ich das Rennen vom Pit Grand Stand mitverfolgt. Das war ein unglaublich! Ein ziemlicher Zirkus und sehr viel oberflächlicher als mir lieb ist, aber trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb sehr spannend, mitzuerleben.

    Um der Formel 1-Energie einen Gegenpol zu geben, habe ich an diesem Wochenende Besuche und Meditationen im Buddha Tooth Relic Tempel priorisiert. Dieser Tempel war für mich schon bei meinen letzten zwei Besuchen in Singapur vor 2 Jahren ein absoluter Kraftort. Die Ruhe im Tempel und das Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Tempel-Bau und den Wolkenkratzer links und rechts sind für mich etwas ganz besonderes.

    Singapur ist eine grossartige Stadt und ein Teil in mir wünscht sich, dass ich die Zeit besser hätte geniessen können. Der andere, grössere Teil in mir ist aber einfach so glücklich und auch ein bisschen stolz darauf, dass ich meine Sucht überwinden konnte. Und dass ich durchgehalten habe, auch während mein Nervensystem im Krisenmodus war.

    Danke 1000 für das Formel 1-Erlebnis, A ❤