• Bali – 9 Tage, 2 Misstritte und 1 Rückflug

    Ich vertraue stark darauf, dass das Universum einen Plan für uns hat. Und dass wir, wenn wir „bei uns sind“, ganz deutlich spüren, ob wir gerade am richtigen Ort – auf der richtigen Timeline – unterwegs sind.

    In den Tagen auf Bali hatte ich dieses Gefühl kaum. Obwohl das Hostel wunderschön war, die anderen Gäste toll und meine Tage wirklich traumhaft, fühlte es sich einfach nicht richtig an. Eher so, als würde ich einen Plan ausführen, der für eine andere Version von mir selbst gedacht war. Und irgendwie wollte mir das wohl auch mein Körper mitteilen.

    Bei den ersten Schritten ausserhalb des Flugplatzes, auf dem Weg zum Auto von Alex, dem Fahrer vom Hostel, machte ich wegen einer kleinen Unebenheit im Boden einen Misstritt. Ironischerweise genau eine Sekunde nachdem ich zu Alex gesagt hatte: „I am sooo happy to be here.“ Ich fiel mitsamt meinem grossen Rucksack hin und fragte mich schon da, was das eigentlich sollte.

    Die kommenden Tage nahm ich es deshalb ruhig. Viel Zeit am Pool, im hostel-eigenen Restaurant, viel lesen und nur sehr sanftes Yoga. Nach knapp einer Woche wurde es besser, und ich machte einen Ausflug nach Canggu – zu einem Sunday Festival mit Breathwork, Sound Healing, Ecstatic Dance und gemeinsamem Singen im Kreis. An diesem Tag fühlte ich mich richtig gut. Und ich war ein wenig stolz, dass ich das ganz alleine gemacht hatte. Eine frühere Version von mir hätte sich das nie getraut.

    Einen Tag später, genau eine Woche nach dem ersten Misstritt, geschah es erneut. Diesmal war ich am Telefon mit einer Freundin, wollte im Hostel ein wenig spazieren und fiel wieder genau gleich hin. Nach diesem zweiten Misstritt wusste ich, dass ich meine Pläne ändern muss. Es wurde unmöglich, das Yoga Teacher Training durchzuführen, und ich musste mich entscheiden.

    Die beiden Misstritte haben mir geholfen, das zu erkennen, was ich eigentlich schon wusste, mir aber nicht eingestehen wollte: dass ich nach Hause will. Es fühlte sich richtig an, den Rückflug zu buchen. Und dass das aus einer gesellschaftlichen Perspektive vielleicht als „Versagen“ aufgefasst werden könnte, war mir egal. Ich freute mich auf meine Familie, meinen Freund und darauf, die Festtage zu Hause zu verbringen.

    Aus sechs Monaten wurden also vorerst zwei Wochen – und das ist genau richtig so.

  • Singapur – Formel 1 und Tempelbesuche

    Ich schreibe das hier drei Wochen später – weil ich Zeit brauchte, um die Erlebnisse zu verarbeiten und weil sich die Pläne seitdem komplett auf den Kopf gestellt haben.

    Gerade scrollte ich durch die Bilder aus Singapur und hatte das Gefühl: Das war nicht ich. Als wäre jemand anders an meiner Stelle dort gewesen. Mit diesem Abstand merke ich, wie fantastisch dieses Wochenende eigentlich war. Und wie ich dies im Moment absolut nicht so wahrgenommen, geschweige denn gefühlt, habe.

    Was kaum jemand weiss: Ich habe mit dem Flug nach Singapur aufgehört, Snus zu konsumieren, nach knapp fünf Jahren. Und mein Nervensystem ist kurz eskaliert.

    Die ersten zwei Stunden im Singapur habe ich deshalb am Flughafen verbracht, schluchzend am Boden. Ich habe es nicht geschafft, eine eSim zu installieren und habe die Metro-Station nur mit Hilfe gefunden. Rational war mir bewusst, dass diese Reaktion gerade vollkommen übertrieben ist. Etwas dagegen zu tun, klappte aber trotzdem während dem ganzen ersten Tag nicht.

    Danach hat das Weinen aufgehört und stattdessen kamen Mini-Panikattacken. Wegen echten Dingen, wie meinem Bali-Visum das ich ziemlich knapp erhalten habe. Aber auch wegen völlig absurden Dingen: dass Leitungswasser tabu ist, oder dass WC-Papier in einen Kübel gehört. I mean…

    Das Spannendste daran war die Diskrepanz zwischen meinem Verstand und meinem System. Kognitiv war mir zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass diese Empfindungen nicht „echt“ sind bzw. dass sie durch den Entzug verstärkt wurden oder überhaupt erst entstanden sind, und dass sie auch wieder vorbei gehen. Körperlich waren alle diese Emotionen aber trotzdem so real und haben mich teilweise vollständig eingenommen. Das Gefühl, mich selbst wieder zu spüren kam erst nach zwei Wochen langsam zurück. Und ist noch heute, nach 22 Tagen, noch nicht ganz wieder da.

    Nun aber zurück zu Singapur.

    Jetzt sehe ich, wie spannend und reich die Tage in Singapur waren. Es war das Formel 1-Wochenende, ein Erlebnis, das seit ein paar Jahren auf meiner Bucket List steht. Am Samstag durfte ich mit und dank meiner guten Freundin im Paddock und in der Boxen-Gasse herumspazieren und wirkliche Behind the Scenes-Formel 1-Luft schnuppern. Und am Sonntag habe ich das Rennen vom Pit Grand Stand mitverfolgt. Das war ein unglaublich! Ein ziemlicher Zirkus und sehr viel oberflächlicher als mir lieb ist, aber trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb sehr spannend, mitzuerleben.

    Um der Formel 1-Energie einen Gegenpol zu geben, habe ich an diesem Wochenende Besuche und Meditationen im Buddha Tooth Relic Tempel priorisiert. Dieser Tempel war für mich schon bei meinen letzten zwei Besuchen in Singapur vor 2 Jahren ein absoluter Kraftort. Die Ruhe im Tempel und das Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Tempel-Bau und den Wolkenkratzer links und rechts sind für mich etwas ganz besonderes.

    Singapur ist eine grossartige Stadt und ein Teil in mir wünscht sich, dass ich die Zeit besser hätte geniessen können. Der andere, grössere Teil in mir ist aber einfach so glücklich und auch ein bisschen stolz darauf, dass ich meine Sucht überwinden konnte. Und dass ich durchgehalten habe, auch während mein Nervensystem im Krisenmodus war.

    Danke 1000 für das Formel 1-Erlebnis, A ❤